20.7.08

falscher hase

irgendwas muss man ja tun, um sich von der masse abzuheben.
es gibt jede menge kieferorthopäden, und die möglichkeiten für ärzte, durch werbung auf sich aufmerksam zu machen, sind aus rechtlichen gründen sehr beschränkt. also sollte man am besten fachleute ranlassen, wenn man für seine praxis werben möchte. das dachte sich auch dr. rathenow aus bad homburg und beauftragte die werbeagentur leo burnett.

dabei herausgekommen ist eine kleine kampagne, die im vergangenen jahr zwar sogar zwei preise für kreativität abgesahnt hat, uns aber trotzdem recht fragwürdig erscheint.
wie die page der epica-awards erläutert, wurden bei der promotionaktion hässliche hasenzahn-schnuller an die eltern von kleinkindern verteilt. so sollte ihnen eindrucksvoll vor augen geführt werden, wie furchtbar ihr nachwuchs mal aussehen wird, wenn er nicht rechtzeitig zur kieferorthopädischen früherkennung gebracht wird. damit auch klar ist, wo diese untersuchung stattfinden soll, baumelte die visitenkarte von dr. rathenows praxis gleich mit am werbeschnuller dran.

das alles wäre ja im grunde eine durchaus witzige idee, würden nicht ausgerechnet schnuller in massivem ausmaß dazu beitragen, dass kinder überhaupt erst zahnfehlstellungen bekommen, die einer kieferorthopädischen korrektur bedürfen. insofern ist diese aktion aus gesundheitlicher sicht genauso glaubwürdig, als würde ein lungenfacharzt mit dem kostenlosen verteilen von zigaretten für sich werben oder ein zahnarzt mit dem verteilen von bonbons. seltsame prävention.


in der genauen beschreibung der prämierten promotion wird die eigentliche ursache des problems - und der grund, warum wir uns für dieses thema so interessieren - implizit bereits genannt:
We used pacifiers, an everyday-item for our target-audience, as our media.

tja, das ist es eben. der schnuller ist ein alltagsding, etwas völlig normales für ein baby und kleinkind. und deshalb sind auch kieferorthopädische probleme in späteren jahren inzwischen etwas völlig normales geworden. die kinder werden gar nicht oder nur sehr kurze zeit gestillt, und zur befriedigung ihres natürlichen saugbedürfnisses wird ihnen anstatt der dafür vorgesehenen mütterlichen brust der schnuller und die nuckelflasche als künstlicher ersatz angeboten.
derartige kunstsauger beeinflussen die entwicklung des kiefers negativ, und so müssen sich viele dieser kinder dann mit den entsprechenden folgeschäden herumplagen. auch die kiefermuskulatur wird durch das künstliche genuckel schlechter trainiert als durch das stillen, weshalb solche kinder auch öfter von logopädischen problemen betroffen sind als stillkinder.


desweiteren wird als resultat der aktion konstatiert:
The promotion also gave the doctor the positive image of a friendly person with a good sense of humor.

auch darüber kann man geteilter ansicht sein. wir denken nämlich eher, diese promotion gibt dem arzt unbeabsichtigt das negative image einer person, die ihr handwerk nicht versteht und ihre zukünftigen patienten zu gesundheitsschädlichem verhalten aufruft, um selbst davon zu profitieren. und das ist recht schwarzer humor, der uns übrigens an einen ähnlich gelagerten fall erinnert, über den wir vor einiger zeit berichtet hatten.


warten wir mal ab, wann ein friseursalon auf die tolle idee kommt, mit dem kostenlosen verteilen von babytoupets für sich werbung zu machen. damit sehen die armen kinder zwar genauso bescheuert aus wie mit den zahnschnullern, aber es wäre wenigstens nicht so schlecht für die zähne.

Comments: Kommentar veröffentlichen



<< Home

This page is powered by Blogger. Isn't yours?